Bruce Chatwin: Traumpfade

 

Bestimmt das bekannteste Buch Bruce Chatwins. Eine Mischung aus Reiseroman, ethnologischer Studie und theoretischen Überlegungen über das Nomadentum.

 

Traumpfade, in englisch Songlines, handelt von den Ureinwohnern Australien, aber eigentlich ist das nicht richtig, denn das Buch handelt vom richigen und falschen Leben.

 

Traumpfade, Songlines sind die unsichtbaren labyrinthischen Wege, die den australischen Kontinent durchqueren und entlang denen, so will es der Schöpfungsmythos der Ureinwohner, die Ahnen wanderten und mit ihren Liedern die Welt erschlossen.

Bis zum heutigen Tag dürfen die Traumpfade nicht überschritten werden, und es kommt zum Konflikt zwischen zwei Welten und zwei Kulturen, wenn eine Erdölfirma oder eine Eisenbahngesellschaft ihre Landvermesser ausschickt.

Chatwin geht den Fußspuren der Ahnen nach in seinem Reisebuch, das Abenteuergeschichte, Ideenroman, Satire auf den Fortschrittswahn, geistige Autobiographie und romantische Komödie zugleich ist.

Die Natur der menschlichen Ruhelosigkeit ist es, die Chatwin am meisten beschäftigt, und so versucht er, Antwort auf die uralte Frage zu finden: Warum ist der Mensch das unsteteste, unzufriedenste aller Lebewesen? Warum escheint die Welt den Nomaden als vollkommen, während die seßhaften ständig um ihre Verbesserung bemüht sind?

Bei der Initiationsreise, die zugleich in andere Länder, in andere Vergangenheiten führt, begegnet Chatwin militanten Aborigines, die ihr Land vor den Einflüssen der sogenannten Zivilisation zu retten suchen, Missionaren, die im Stil von Konquistatoren über ihre Herde wachen, arroganten weißen Siedlern, Trunkenbolden und Verrückten, Heilígen und weniger Heiligen.

Durchzogen ist der Roman von Anekdoten, Geschichten innerhalb der Geschichte, wie im Flug erhaschten leuchtenden Details, grandiosen Landschaftsbeschreibungen und Reflexionen, die in ein Hohelied auf den Menschen münden, wie er von Anfang an gedacht worden war.